Für den Erhalt des Jugendzentrum in Selbstverwaltung „Friedrich Dürr“
| 07.12.2017 | News gegen Rechts |

Die CDU Gemeinderatsfraktion und der Einzelstadtrat Julien Ferrat haben zu den Etatberatungen 2017 des Mannheimer Gemeiderats Anträge gestellt, dem selbstverwalteten JUZ „Friedrich Dürr“ alle Mittel zu streichen. Das würde das Ende des seit 1973 bestehenden Jugendzentrums bedeuten. Das Bündnis Mannheim gegen Rechts spricht sich für den Erhalt der Einrichtung aus und ruft alle Stadträt*innen auf, gegen diese Anträge zu stimmen.

Das JUZ „Friedrich Dürr“ ist seit Anfang an fester Bestandteil unseres Bündnisses und hat in vielerlei Hinsicht viel Positives zu unserer Arbeit beigetragen. Sei es die Unterstützung bei Demonstrationen gegen NPD und AfD, das zur Verfügung stellen von Informationen über die rechte Szene (oft als einzige verfügbare Quelle), die unkomplizierte Bereitstellung von Räumen und Infrastruktur oder ganz einfach das Anpacken und Mithelfen, wenn es was tun gab – immer waren die jungen Mannheimerinnen und Mannheimer vom JUZ dabei und haben das Bündnis tatkräftig unterstützt.

Ein solches Engagement ist in unserer Gesellschaft alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Das JUZ ist ein funktionierender Ort demokratischer gesellschaftlicher Teilhabe, in dem junge Menschen lernen, sich für ihre Interessen einzusetzen und gegen Diskriminierung, Ausgrenzung, Rassismus und Sexismus ihre Stimme zu erheben. Einige Beispiele: Über die Vollversammlung lernen junge Menschen eigene Fähigkeiten, Selbstverantwortung und die Notwendigkeit von Diskussion und Konsensfindung kennen. Beim Netzwerk für Demokratie und Courage organisiert das JUZ als Netzwerkpartner Projekttage an Schulen, um Zivilcourage zu stärken. Beim Offenen Antifa Treffen kommen junge Menschen zusammen, um Protestaktionen gegen Neonazis zu organisieren. Viele Angebote werden durchgeführt, um die Integration von jungen Geflüchteten in Mannheim zu fördern, so beispielsweise das Café Welcome, die Fahrradwerkstatt oder die Sprachkurse. Unzählige kulturelle Veranstaltungen schaffen durch ihre selbstverwaltete Organisation und die politischen Grundsätze des JUZ eine Alternative zum Mainstream der Konsumgesellschaft mit Shopping, Videospielen und Youtube-Konsum. Politische Entwicklung, kritisches Denken und demokratische Teilhabe der kommenden Generation werden dafurch gefördert. Das ist nur ein kleiner Einblick in das vielfältige Programm. Auf der Webseite http://juz-mannheim.de kann sich weiter darüber informiert werden.

Das JUZ ist auch ein Ort der Auseinandersetzung mit der Mannheimer Geschichte zur Zeit des Nationalsozialismus. Das zeigt neben entsprechenden Veranstaltungen auch der selbstgewählte Name: Friedrich Dürr leistete als Jugendlicher Widerstand gegen die Nazis, war an Flugblatt- und anderen Aktionen beteiligt. Dafür landete er im KZ Dachau, wo er sich 1944 am Aufstand beteiligte und ums Leben kam.

Was das JUZ aus dem Menschen macht, können wir nach jahrzehntelangen Erfahrungen in unserer Stadt sehen. Viele „Alt-Juzis“, die in den 70er und 80er Jahren in der ersten Generation des JUZ aktiv waren, sind heute etablierte Mitglieder von Mannheimer Vereinen und Parteien oder auch Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung, im Bildungsbereich, bei Gewerkschaften oder bekannte Kulturschaffende. Dass das JUZ aus jungen Menschen „gewaltbereite Extremisten“ machen würde, ist durch die Realität widerlegt und nichts anderes, als die Verleumdung der positiven Arbeit, die im JUZ seit Jahrzehnten geleistet wird. Dass die jungen Menschen aus dem JUZ auch unbequem sein können, gerade auch gegenüber bürgerlichen und konservativen Parteien oder der Stadtverwaltung, ist kein „Extremismus“, der die Demokratie gefährdet. Im Gegenteil ist das ein wichtiger Teil einer pluralistischen Stadtgesellschaft, eine kritische Gegenstimme, ein Spiegel für das, was man als „Establishment“ bezeichnen könnte.

Die Anträge von CDU und Ferrat würden all diese positiven Beiträge der letzten Jahre und Jahrzehnte für eine vielfältige, bunte und demokratische Stadtgesellschaft zunichte machen. Die Ex-AfD Fraktion und der NPD Stadtrat Hehl werden sich bei CDU und Ferrat bedanken. Was die Rechtspopulisten und Neonazis seit Jahren fordern, wollen die CDU und der Vertreter der Familienpartei nun selbst umsetzen. Das muss verhindert werden. Daher fordern wir alle Stadträt*innen dazu auf, gegen diese Anträge zu stimmen und die Zukunft des JUZ zu sichern.

Bündnis Mannheim gegen Rechts