„Mannheim gegen Rechts“ kritisiert die Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo – Antisemitismus, Homophobie und Reichsbürgerideologie dürfen in Mannheim keine Bühne bekommen
| 13.02.2017 | News gegen Rechts |

Xavier Naidoo; Bild: Wikimedia Commons

Im Rahmen des Radjubiläums tritt der Sänger Xavier Naidoo, Mitglied der Band „Söhne Mannheims“, erneut als Botschafter der Stadt auf. In einem Werbemusikvideo zur „Monnem Bike“-Kampagne singt er das Lied „Willst du mich begleiten?“.

Es hat den Anschein, dass Xavier Naidoos krude Ansichten aus Versatzstücken neurechter Ideologie in Vergessenheit geraten sind. Das ist für das Bündnis Mannheim gegen Rechts nicht akzeptabel.Wir erwarten, dass die von der Stadt Mannheim selbst gesteckten Ziele, die in der Mannheimer Erklärung für Zusammenleben in Vielfalt formuliert wurden, auch für die Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo leitend sein sind.

2014 geriet Naidoo in die Schlagzeilen, nachdem er als Redner einer Kundgebung der Reichsbürger-Szene auftrat. Es folgte eine bundesweite öffentliche Diskussion. Bei Interviews verteidigte er seine Positionen und distanzierte sich bis heute nicht davon. Auch in Mannheim wurde intensiv diskutiert. 2014 sagte Oberbürgermeister Peter Kurz, Xavier Naidoo vertrete „radikal libertäre, anti-staatliche Positionen, mit denen wir uns als Stadt in keiner Weise identifizieren können“. In der aktuellen Diskussion über eine mögliche Auftrittsabsage in Rosenheim äußerte er sich über die Söhne Mannheims: „Es ist absurd, die Söhne Mannheims mit ihrer Band-Geschichte und ihrem Multikulturalismus in die Ecke rechtsgerichteter Musikgruppen rücken zu wollen.“ Diese Einschätzung teilen wir bezüglich des berühmtesten Bandmitgliedes Xavier Naidoo nicht. Es bleibt festzuhalten:

Xavier Naidoo singt homophobe Songtexte: In dem blutrünstigen Lied „Gespaltene Persönlichkeit“ wird auf üble Weise gegen Schwule gehetzt und dies in einer wirren Art mit Wutfantasien gegen Pädophile und Verschwörungstheorien vermischt.

Xavier Naidoo singt antisemitische Songtexte: In dem Lied „Raus aus dem Reichstag“ bedient er antisemitische Klischees über Juden, Bankiers und korrupte Politiker, wenn er beispielsweise singt „Baron Totschild gibt den Ton an“ und „Der Schmock is’n Fux“.

Xavier Naidoo verbreitet verschwörungstheoretische Äußerungen: Zu den Terroranschlägen am 11.9.2001 in New York sagte er: „Wer das als Wahrheit hingenommen hat, (…) der hat den Schleier vor den Augen“.

Xavier Naidoo vertritt Positionen der Reichsbürger-Bewegung: Er behauptet, Deutschland sei ein besetztes Land. Bei einer Reichsbürger-Kundgebung in Berlin trat er als Redner auf, bekleidet mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Freiheit für Deutschland“.

Eine weitergehende Auseinandersetzung mit den politischen Aktivitäten und Positionen Xavier Naidoos findet sich unter anderem in diesen Artikeln:

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Xavier_Naidoo

Soundtrack der „Wahrheits“- und Reichsbürgerbewegung https://www.antifainfoblatt.de/artikel/xavier-naidoo

Xavier Naidoo: Skandal mit Verspätung: http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2015/03/12/xavier-naidoo-skandal-mit-verspaetung_18941
Xavier von Naidoo und die Reichsbürger vom Reichstag https://www.sonnenstaatland.com/2014/10/09/xavier-von-naidoo-und-die-reichsbuerger-vom-reichstag/

Xavier Naidoos Weg in die Reichsbürgerszene? https://publikative.org/2014/10/07/43287/

Die Positionen von Xavier Naidoo sind nicht etwa private Spinnereien. Er vertritt sie als Persönlichkeit des öffentlichen Lebens und wird damit vielfach in den Medien zitiert. Sogar in Mannheim hat er Kundgebungen abgehalten, um seine politischen Ansichten zu verbreiten. In der Reichsbürger-Szene wird er als ihr prominentester Vertreter gefeiert. Auf einschlägigen Web- und Facebook-Seiten werden seine Äußerungen und Lieder vielfach zitiert.. Eine Distanzierung seinerseits gab es bisher nicht.

Eines hat sich jedoch seit 2014 geändert. Damals war die Reichsbürger-Szene noch sehr unbekannt und wurde von vielen belächelt. Das änderte sich im vergangenen Jahr, als ein Reichsbürger in Georgensgmünd in Bayern einen Polizisten erschoss. Seitdem gibt es verstärkte polizeiliche Aktivitäten gegen die Szene. Vielerorts wurden Waffen gefunden. Auch in unserer Region gab es Durchsuchungen und Festnahmen, u.a. im Rhein-Neckar-Kreis und in Ludwigshafen. Der als Druide bekannte Reichsbürger Burghard Bangert aus Schwetzingen, mutmaßlicher Drahtzieher einer rechten Terrorgruppe, die mit Schusswaffen und Sprengstoff Anschläge plante und im Januar 2017 polizeilich zerschlagen wurde, war Teilnehmer der selben Kundgebung am 3.10.2014 in Berlin, auf der auch Xavier Naidoo gesprochen hatte. Bangert nutzte diese Kundgebung um Flyer für „Die Weissen“ zu verteilen und sammelte Unterschriften für die Einberufung einer deutschen Nationalversammlung zum Zwecke der Ausarbeitung einer neuen Verfassung für „das deutsche Volk.“ Dabei relativierte er die Shoah und sprach davon, dass die Geschichte um den Beginn der beiden Weltkriege eine zionistische Lüge sei. (Quelle: Videointerview mit Bangert auf „Friedensdemo-Watch“)

In der Auseinandersetzung mit der Reichsbürger-Szene muss klar werden, dass schwarz-weiß-denken nicht zielführend ist. In der modernen multikulturellen Gesellschaft gibt es vielfältige Bestrebungen, die sich politisch im rechten Spektrum einordnen lassen – auch von Menschen, die selbst einen Migrationshintergrund haben. Nicht jeder Rechte sympathisiert automatisch mit der NPD. Homophobie, Antisemitismus und die kruden Positionen der Reichsbürger-Szene sind Bausteine rechter Ideologie und stehen im Widerspruch zu den Werten von Vielfalt, Toleranz und Menschenrechten.

Die Positionen dieser neurechten Ideologie stehen im deutlichen Widerspruch zu den selbst gesteckten Zielen der Stadt Mannheim. Eine Zusammenarbeit mit Vertretern solcher Positionen werden wir nicht akzeptieren und fordern daher die Stadt Mannheim dazu auf, dies zu beenden.

Basement Bikes, der Fahrradladen, in dem das Musikvideo gedreht wurde (ohne zu wissen, dass Xavier Naidoo darin mitwirkt), hat sich bereits distanziert.

Bündnis Mannheim gegen Rechts


Mit Klobürsten gegen die AfD: Kundgebungen am Paradeplatz und vor dem Schützenhaus Feudenheim
| 30.09.2016 | News gegen Rechts |

14500550_620465708135473_6214715777508260621_oAls Gegenaktion zur Veranstaltung „Die Zukunft der AfD“ mit AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen gab es am 29.09.2016 zwei Versammlungen des Bündnis „Mannheim gegen Rechts“. Gegen 17:30 Uhr versammelten sich ca. 200 Personen am Paradeplatz zu einer Kundgebung. Anschließend fuhren die meisten davon weiter nach Feudenheim. Vor dem Schützenhaus, dem Veranstaltungsort der AfD, gab es die zweite kurze Aktion, ein Flashmob mit Klobürsten. Diese sollten symbolisieren, wie wir die Zukunft der AfD sehen: ab durch den Gulli auf dem Müllhaufen der Geschichte! Mit Transparenten, Schildern und Sprechchören wurde lautstark gegen die AfD Veranstaltung protestiert. Gegen 19:30 Uhr endete die Versammlung.

Auf dem Paradeplatz gab es Redebeiträge von Mitgliedsgruppen und Vertreter*innen des Bündnis „Mannheim gegen Rechts“, darunter vom Offenen Antifa Treffen im JUZ „Friedrich Dürr“, Gökay Akbulut (Die Linke), Gerhard Fontagnier (Grüne), Karlheinz Paskuda (Aufstehen gegen Rassismus), sowie Sprecher*innen der Ver.di Jugend Rhein-Neckar und der Interventionistischen Linken. In den Beiträgen wurde scharf kritisiert, wie die AfD mit rassistischer Hetze Stimmung gegen Geflüchtete und Migrant*innen Stimmung macht und damit die Gesellschaft spaltet. Gökay Akbulut argumentierte, die AfD vertritt neoliberale und unsoziale Positionen und bietet keine Lösungen für soziale Schieflagen an. Stattdessen gehen sie mit populistischen Parolen auf Stimmenfang und hetzen unter anderem gegen Schwule, Lesben und alternative Lebensformen. Der Protest gegen die AfD dürfe bei dieser Partei nicht enden, sondern müsse sich gegen jede Form von Sexismus und Alltagsrassismus wenden, rief ein Sprecher der Interventionistischen Linken die Menge auf, mit nach Feudenheim zu kommen. Mannheim ist eine Stadt der Vielfalt. Die AfD hat hier einfach keinen Platz, sagte Gerhard Fontagnier.

14435361_620465521468825_1697970860146580149_oMit einer völlig überfüllten Straßenbahn der Linie 2 fuhren die Protestierenden nach Feudenheim. Dort hatte die Polizei mit einem Großaufgebot das Schützenhaus weiträumig abgesperrt. Mit in Richtung Schützenhaus gesteckten Klobürsten wurde symbolisch protestiert und noch einmal laut und deutlich Position gegen die populistischen Parolen der AfD bezogen. Im gesamten Verlauf der Versammlung kam es zu keiner Eskalation mit AfD-Anhänger*innen. Die Polizei leitete sie mit einem großen Schild „AfD“ rechts abbiegen direkt auf den Parkplatz vor dem Schützenhaus – wie passend. Im Januar gab es vor dem Schützenhaus ein Gerangel, als AfD-Anhänger*innen und Gegendemonstrant*innen in der Einfahrt aufeinander trafen.

Das Bündnis „Mannheim gegen Rechts“ wird in den kommenden Wochen und Monaten darüber diskutieren, wie wir wirksam gegen den drohenden Rechtsruck der Gesellschaft handeln können. Symbolische Aktionen wie heute sind dabei wichtig, können aber nur ein Teil unserer Politik sein. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer*innen für ihr Kommen.

Bündnis Mannheim gegen Rechts / Orga-Team
30.09.2016


Gegenaktionen zur Veranstaltung „Zukunft der AfD“
| 25.09.2016 | News gegen Rechts |

zukunft-der-afd-fb

Wir rufen anlässlich der AfD-Veranstaltung am 29.09.2016 mit dem Bundessprecher und Landtagsfraktionsvorsitzenden Jörg Meuthen zu Gegenaktionen auf.

  • Ab 17:30 Uhr Treffpunkt und Kundgebung auf dem Paradeplatz
  • am Anschluss Flashmob vor dem AfD-Veranstaltungsort „Schützenhaus Feudenheim“
  • Bringt Klobürsten mit! Gerne auch Transparente, Fahnen, Schilder, lärmende Gegenstände usw.

Die Veranstaltung der Rechtspopulisten, die ihren Auftrieb durch Hetze und Angstmache erreichen, soll nicht ohne Widerspruch bleiben. Auch im Landtag Baden-Württemberg fallen die AfD und Herr Meuthen in erster Linie durch Destruktion und Ausschöpfen aller finanzieller Möglichkeiten durch Fraktionstrennung und Fraktionsvereinigung innerhalb weniger Wochen auf. Distanzierung zum Antisemiten Wolfgang Gedeon fand nur von Teilen der Fraktion und erst nach großem Druck in der Öffentlichkeit statt. Jörg Meuthen schliesst Abstimmungen mit der NPD nicht aus, im Saarland verkauft der Spitzenkandidat der AfD verbotene NS-Devotionalien, Frauke Petry will den Nazibegriff „völkisch“ wieder positiv besetzen, AfD-Landespressesprecher und JA Bundeschef Markus Frohnmaier ruft gar im Nazijargon zum Ausmisten auf und proklamiert die AfD mit ihrer Anhängerschaft als „das Volk“. Glücklicherweise läuft die große Mehrheit nicht den Rechtspopulisten und Nazis der „Alternative für Deutschland“ hinterher.

Das breite Bündnis „Mannheim gegen Rechts“ ruft dazu auf, mit klarer Kante, friedlich und gewaltfrei zu zeigen, dass die AfD und Herr Meuthen in Mannheim, der Stadt der Vielfalt nicht willkommen ist. Mannheim engagiert sich herausragend in der Flüchtlingshilfe und geht Probleme an, statt Hass und Angst zu schüren um die gut dotierten Pöstchen in der Politik zu ergattern.

Am Donnerstag, den 29. September 2016 sind ab 17:30 Uhr alle die sich dem Protest anschließen wollen, aufgefordert zum Paradeplatz zu kommen. Dort wird dann eine kleine Kundgebung stattfinden um danach mit jenen die mitmachen wollen, einen Flashmob mit Klobürsten an den Ort der Veranstaltung unter dem Titel „Die Zukunft der AfD“ im Schützenhaus in der Feudenheimer Au zu starten. Es wird aufgerufen Klobürsten mitzubringen um damit die Zukunft der AfD symbolisch restlos in den Gully der Geschichte zu spülen.